Verleihung Clinical Science Award 2025

Die DGFIT unterstützt seit ihrer Gründung wissenschaftliche Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Immun- und Targeted Therapie. Unter anderem wird jährlich der mit 2.000,00 Euro dotierte Clinical Science Award vergeben.

Mit dem CSA 2025 wurde Dr. Adrian Gottschlich ausgezeichnet für seine Arbeit  „Dissection of single-cell landscapes for the development of chimeric antigen receptor T cells in Hodgkin lymphoma“.

Zusammenfassung

Das Projekt befasst sich mit der Entwicklung neuartiger Immuntherapien für das Hodgkin-Lymphom, eine Krebserkrankung, die vor allem Kinder und junge Erwachsene betrifft. Obwohl heute über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten durch intensive Chemotherapie geheilt werden können, leiden viele Betroffene lebenslang unter schweren Spätfolgen. Ziel des Projekts war es daher, gezielte immuntherapeutische Ansätze zu entwickeln, die eine hohe Wirksamkeit mit einer Reduktion langfristiger Toxizitäten verbinden.

Ein zentrales Hindernis für Immuntherapien beim Hodgkin-Lymphom ist das ausgeprägte immunsuppressive Tumormikromilieu, welches die körpereigene Abwehr effektiv lahmlegen kann. Mithilfe von Einzelzellanalysen konnte in diesem Projekt das Molekül CD86 als bislang unterschätztes zentrales Steuerelement dieser Immununterdrückung identifiziert werden. CD86 wird sowohl von den malignen Hodgkin-Zellen als auch von tumorunterstützenden Immunzellen im Tumorumfeld exprimiert und spielt eine Schlüsselrolle in der Hemmung effektiver T-Zell-Antworten.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden neuartige CD86-gerichtete Immuntherapien entwickelt und umfassend präklinisch untersucht. Neben gezielten Blockadestrategien lag ein besonderer Fokus auf der Entwicklung CD86-gerichteter CAR-T-Zellen. Diese zeigten in präklinischen Modellen eine außergewöhnlich hohe antitumorale Wirksamkeit. Anti-CD86-CAR-T-Zellen führten zu einer schnellen, tiefen und nachhaltigen Eliminierung der Tumorzellen – selbst in stark immunsuppressiven Tumorumgebungen und in Modellen therapieresistenter Erkrankung.

Der hohe therapeutische Effekt beruht auf einem einzigartigen doppelten Wirkmechanismus: Die CAR-T-Zellen zerstören nicht nur direkt die malignen Hodgkin-Zellen, sondern eliminieren gleichzeitig tumorunterstützende Immunzellen im Mikromilieu. Dadurch wird das immunsuppressive Umfeld grundlegend umprogrammiert.

Ein zentrales Element der Studie war außerdem die sorgfältige Sicherheitsbewertung. Die CD86-gerichteten Immuntherapien beeinträchtigten weder die antimikrobielle Immunabwehr noch die Immunantwort auf Impfungen in relevanten präklinischen Modellen. Damit erfüllen sie eine entscheidende Voraussetzung für eine zukünftige klinische Anwendung, insbesondere bei jungen Patientinnen und Patienten.

Die Ergebnisse dieser Arbeit legt die Grundlage für die klinische Weiterentwicklung CD86-gerichteter Immuntherapien für die Therapie von Patienten mit Hodgkin-Lymphomen. Sie eröffnen neue Perspektiven für hochwirksame, zugleich schonendere Behandlungsstrategien – insbesondere für Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Erkrankung oder hohem Risiko für therapiebedingte Langzeitfolgen.